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Archive for November 2015

Sitten und Gebräuche

Vielen Einwanderern sind die Hintergründe für manche Feierlichkeiten hier im Land nicht immer offensichtlich. Und selbst wenn man eine ungefähre Ahnung hat was gefeiert wird, kann es einem doch schon merkwürdig vorkommen. Wie das alljährliche Feuerwerk am 5. November um Guy Fawkes zu feiern.

Guy Fawkes – Hintergrund und Brauchtum

Guy Fawkes lebte von 1570 bis 1606 und ist berühmt für seine Beteiligung am sogenannten ‘gunpowder plot’ von 5.11.1605, bei dem das Parlament in London in die Luft gesprengt werden sollte.

Zu dieser Zeit wurden Katholiken verfolgt und mussten entweder ihrem Glauben entsagen oder ihr Heil in fremden Ländern suchen. Guy wurde in eine anglikanische Familie geboren, aber nach dem Tod seines Vaters heiratete seine Mutter einen ‘recusant’ Katholiken und ging auf eine Schule, die von Katholiken geleitet wurde. Mit 16 konvertierte er und verbrachte einige Zeit auf dem Kontinent, um Gleichgesinnten in Frankreich und Spanien zu helfen.

Nach seiner Rückkehr nach England schloss er sich einer Gruppe an, die den Protestantenkönig James VI und I (!) ermorden wollte. Guy und sein Umfeld wollten durch den Anschlag sich religiöse Freiheit in der Heimat erkämpfen. Einer der Komplizen hatte einen Warnbrief an Lord Monteagle geschickt, um katholische Mitglieder zu schützen. Wenn auch mit Verzögerung, wurde Guy Fawkes dann am 5. November entdeckt, bevor der Plan ausgeführt werden konnte. Nach Folter gestand er und sollte am 31.1.1606 hingerichtet werden. Ob durch sein Zutun oder in einem Unfall, er fiel vom Schafott und brach sich das Genick.

IMG_20151107_195130Die darauffolgenden Freudenfeuer in den anglikanischen Gebieten werden seitdem jährlich wiederholt, konfessionsübergreifend, mit grossen Feuerwerken und weltweit. Zumindestens in den Ländern mit Affiliationen zu Grossbritannien.

Guy Fawkes in Wellington

Inzwischen ist es hier um diese Zeit schon sehr trocken und wir haben viel Busch um uns. Deshalb haben wir schon seit Jahren kein Feuerwerk mehr angezündet. Aber, Kinder sind Kinder und wollen gerne sowas sehen. Deshalb hatten wir uns dieses Jahr entschlossen, nach Wellington zu fahren und das Feuerwerk anzuschauen. Da wir nicht in der Stadt übernachten und eine zügige Abfahrt wollten, planten wir, das Feuerwerk vom anderen Ende des Hafens – der Strandpromenade in Petone – zu beobachten.

Guy Fawkes wird zwar gefeiert, ist aber kein staatlicher Feiertag. In unserer Grundschule wurde nicht über die Herkunft dieser Tradition gesprochen. Und als meine Kinder mich fragten konnte ich ihnen nur den groben historischen Hintergrund geben. Was es dann für mich umso absurder machte. Wir feiern den Tod eines Attentäters, der für religiose Freiheit kämpfte! Und zwar nicht den Grund seines Komplottes, sondern dass er nicht erfolgreich war. Im modernen Kontext gesehen, nicht gerade Ausdruck eines entwickelten Sozialbewusstseins.

IMG_0204Der folgende weitere moderne Kontext verbannte diesen Aspekt jedoch in den Hintergrund: am Strand machten wir viele positive Erfahrungen. Die ‘Nachbarn’ gaben uns Feuer, wir teilten unsere Marshmallows mit ihnen. Eine kleine Familie fragte, ob sie an unserem Feuer teilhaben kann: wir lernten nette Emmigranten aus Südafrika kennen und unsere Kinder spielten vergnügt miteinander. Nachbarn hinter uns gaben uns ein paar ihrer Knallfrösche und Wunderkerzen damit unsere Kinder auch an dem allgemeinen Spektakel teilhaben konnten.

Es war wunderschön soviele Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Lebensumständen so friedlich zusammen zu haben. Das macht den Grund für’s Zusammenkommen – für mich zumindestens – nicht mehr so wichtig.

PS: Video Qualität ist nicht so sonderlich, es war eigentlich nur für die Familie gedacht.

Autorin: Petra Alsbach-Stevens

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Abrupter Abschied

jonah lomuNach seiner Rückkehr aus Grossbritannien diese Woche, ist Jonah Lomu in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch unerwartet an Herzversagen gestorben. Für seine junge Familie ist dies selbstverständlich ein schwerer Verlust und es ist bemerkenswert zu lesen, dass nicht nur eine ganze Nation um ihn trauert, sondern weltweit Menschen ihn vermissen werden.

Neuseelands Rugby Legende

Die meisten Kiwi Kinder spielen während ihrer Schulzeit Rugby und für einige führt dies dann auch in eine Karriere. So auch für Jonah, der schon mit 13 Jahren einen starken Eindruck auf seinen Trainer an der Schule machte. Mit hartem Training und Beharrlichkeit konnte er sich dann einen Platz in der Hong Kong Sevens Mannschaft sichern und machte dort sein internationales Debut 1994. Seine Leistung dort überzeugte derart, dass er dann mit 19 Jahren und 45 Tagen als jüngster Spieler für die neuseeländische Nationalmannschaft – die All Blacks – nominiert wurde. In einem Spiel gegen England am 18. Juni 1995 demonstrierte er seine Durchschlagkraft, die ihn zu einer Rugby Legende machen sollte. Selbst für mich, als nicht sonderlich Sport-Interessierte, war es unglaublich zu sehen, was er in den wenigen Sekunden damals erreichte. Insgesamt erzielte er vier Versuche (trys) in diesem Spiel. Ende 1996 kam die ernüchternde Nachricht, dass er an einer Nieren Krankheit leide und dialyseabhängig ist. jonah lomu helpingTrotzdem spielte er weiter und konnte einige weitere Erfolge verzeichnen. Aber die Krankheit und die Nebeneffekte nahmen ihren Zoll und in 2004 musste er eine Nierentransplantation bekommen. Die Operation verlief auch erfolgreich und er spielte weiterhin auf internationaler Ebene bis 2007, seinem offiziellen Ausscheiden aus dem Sport. Dies bedeutete aber nicht, dass er sich zurückzog. Im Gegenteil; er nutzte seine Popularität für zahlreiche wohltätige Zwecke und nahm an einigen Benefizspielen teil.

Erinnerungen

Im Laufe des Tages konnten wir in nationalen und internationalen Nachrichten lesen, was für einen positive Eindruck er Zeit seinens Lebens hinterlassen hatte. Für die meisten war er der ‘gentle giant’ , der auf dem Spielfeld mit einer unglaublichen Kraft und Geschwindigkeit seine Gegner außer Schach setzte und außerhalb sich vorbildhaft um das Wohlergehen anderer kümmerte. Viele der Erinnerungen konzentrieren sich natürlich auf seine sportlichen Fähigkeiten, aber was einen berührt, sind all die Erzählungen, in denen sein freundlicher, spass-liebender Charakter die Überhand hatte. Wir wollen uns mit dem Video verabschieden, von dem ersten Spiel dass so einen grossen Eindruck bei vielen hinterliess, vom Spiel gegen England in 1995.

 

Autorin: Petra Alsbach-Stevens

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Tiere auf Leinwand

100 birdsVor ein paar Wochen stellten wir Euch den Vogel des Jahres hier in Neuseeland vor. Heute wollten wir Euch eine junge Künstlerin vorstellen, deren letzte Serie auch Neuseelands Vögel zum Thema hat: Katrina McGettigan. Sie ist hauptsächlich, aber nicht ausschliesslich Landschaftsmalerin und hatte sich Mitte des Jahres selber eine Herausforderung gestellt: jeden Tag – für die nächsten 100 Tage – einen neuseeländischen Vogel zu malen. Am 5.11.15 ist nun der 100ste Tag und zur Feier des Tages stellt sie die Gemälde für drei Tage an dem Wochenende aus. Wer in Rolleston ist an diesem Wochenende, sollte mal vorbeischauen!

Liebe zur Natur

Milford Stones

Milford Stones by Katrina McGettigan

Ihre Motivation für die interessanten Blicke auf abgelegene Täler und Berge der Südinsel bezieht sie von der Natur selber. Die überwältigende Schönheit Neuseelands inspiriert sie nicht nur zum Malen, sondern auch zum Lehren: tagsüber unterrichtet sie an einer Grundschule und gibt Privatunterricht für interessierte junge Künstler. Da bleibt ihr nur Abends Zeit zum Malen und dies macht diese Ausstellung auch so bemerkenswert. Auf ihrer Webseite können weitere Werke bewundert werden, ich kann es nur empfehlen ein bisschen durch die virtuelle Gallerie zu schlendern.

Apropos schlendern

Und in diesem Sinne möchte ich auch auf unsere virtuelle “Gallerie” hinweisen. Wir haben unserer Webseite eine Verjüngungskur verabreicht und hoffen, dass auf den ersten Blick Euer Interesse an unseren Reisen geweckt wird. Solltet Ihr Fragen zu den Reisen oder einem der Blogthemen haben, meldet Euch und wir werden wie immer unser Bestes tun Euch zu helfen.

Autorin: Petra Alsbach-Stevens

 

 

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All Blacks sind wieder Gewinner

 

AUCKLAND, NEW ZEALAND - OCTOBER 23: Richie McCaw of the All Blacks lifts the Webb Ellis Cup as team mates celebrate after the 2011 IRB Rugby World Cup Final match between France and New Zealand at Eden Park on October 23, 2011 in Auckland, New Zealand. (Photo by Cameron Spencer/Getty Images)

Photo by Cameron Spencer/Getty Images

Wenn selbst die Welt ein kurzes Video zu diesem Thema zusammenstellt, können wir es uns auch nicht verkneifen. Nun, nicht gerade ein Video, aber zumindestens einen kleinen Kommentar zu einem Thema das vielen Neuseeländern nahe am Herzen steht. Dem William Webb Ellis Cup (RWC), den das neuseeländische Team – die All Blacks – als Titelverteidiger wieder erfolgreich am Mittwoch zurück nach Neuseeland brachte. Und damit neue Weltrekorde stellte: erstes Land, dass erfolgreich einen Titel verteidigt und erstes Land, dass diesen Titel nun dreimal gewonnen hat!

Popularität – Tendenz steigend

1446598672498Die Popularität ist derart, dass sogar die nationalen Fluggesellschaften einander eine ungewöhnliche Herausforderung gestellt hatten: der Verlierer muss die Flagge, Namen und/oder Fotos der Gewinner auf die eigenen Flieger malen! Mal sehen was daraus wird!

Die Zahlen, offiziell und inoffieziell – geschönt oder nicht, sprechen dafür dass der Sport weltweit an Popularität gewinnt. Angeblich ist diese Meisterschaft inzwischen die drittgrösste der Welt, nach Fussballweltmeisterschaft und Olympiade. Dies bedeutet aber nicht, dass jeder Neuseeländer zwangsläufig ein Fan ist.

Was man nicht ganz glauben kann, wenn man die Massen sieht, die das Team bei ihrer Reise durchs Land in diesen Tagen begrüssen. Schulen geben den Kindern inoffiziell frei, damit sie an den Paraden teilnehmen können. Farmer bemalen ihre Viecher mit dem silver fern um ihrer Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Und selbst Tierärzte dekorieren ihre Patienten mit dem Logo!silver fern cast

Das Leben geht weiter

Viele der Nicht-Sportler kommen dann ins Kreuzfeuer wenn sie mit falsch verstandenem Humor diese Euphorie kommentieren. Jemaine Clement zum Beispiel – Flight of the Concords, What We Do In The Shadows – meinte wir (Neuseeland) sollten uns auch an anderen, unbekannten Sportarten beteiligen, um weitere Titel zu gewinnen (.. und ein Wohlegefühl für die Nation zu garantieren). Die Reaktion war derart negativ, dass er schon nach kurzer Zeit sich quasi entschuldigen musste! Und das online Satire Magazin The Civilian hat in einem ausgesprochen direkten Artikel die Absurdität des ganzen Meisterschaftszirkus angesprochen. Interessanterweise sind die Kommentare dazu auf Facebook wesentlich positiver.

Und so sitzen wir nun an unseren Schreibtischen, erledigen wieder unsere Arbeiten und planen die Wochenenden ohne den Videorekorder programmieren zu müssen oder gar früh aufzustehen!

Sommerferien kommen auch bald

Und nach diesen anstrengenden Wochen freuen wir uns auf die Sommerferien, die Wochenende für Wochenende näher rücken! Unsere ersten Touren sind schon unterwegs und wir haben auf der einen oder anderen Tour noch ein paar freie Plätze. Nicht mehr viele, deshalb, wer Interesse hat sollte sich zügigst entscheiden.

Autorin: Petra Alsbach-Stevens

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